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The Art of Retirement | Jan Frodeno

Olympiasieger, IRONMAN-Weltmeister und Triathlon-Legende Jan Frodeno sucht nach dem perfekten Hobby für den Ruhestand. Gemeinsam mit sailfish Gründer Jan Sibbersen entdeckt er, warum Schwimmen mehr sein kann als Training und Wettkampf.

Von Luca Schütz

The Art of Retirement | Jan Frodeno

Jan Frodeno und die Kunst des Ruhestands

Eigentlich klingt es ganz einfach: Nach einer Karriere mit Olympiasieg, drei IRONMAN-Weltmeistertiteln und unzähligen Stunden im Wasser geht man in Rente und genießt das Leben. Zumindest ist das der Plan.

Doch was macht einer der erfolgreichsten Triathleten aller Zeiten, wenn plötzlich keine Startlinie mehr wartet? Wenn niemand mehr Trainingspläne schreibt, keine Wettkämpfe vorbereitet werden müssen und der Kalender auf einmal erstaunlich leer aussieht?

Genau diese Frage stellte sich Jan Sibbersen. Der ehemalige Profischwimmer, IRONMAN-Rekordhalter im Schwimmen und Gründer von sailfish kennt die Situation nur zu gut. Schließlich liegt sein eigenes Karriereende bereits einige Jahre zurück. Also beschließt er, Jan Frodeno auf seiner Suche nach der perfekten Beschäftigung im Ruhestand zu begleiten.

Die Mission klingt simpel: Ein neues Hobby finden. Die Realität gestaltet sich allerdings etwas schwieriger.


Erster Versuch: Angeln

Jan Frodeno beim Angeln

Natur, Ruhe und Entschleunigung. Alles Dinge, die man einem ehemaligen Profisportler nach dem Karriereende empfehlen würde. Also geht es ans Wasser. Angel auswerfen, zurücklehnen, entspannen. Zumindest theoretisch.

Nach kurzer Zeit wird klar, dass Angeln für Jan Frodeno möglicherweise nicht die endgültige Antwort ist. Während andere die Stille genießen, beginnt für jemanden, der sein Leben lang in Bewegung war, die Zeit plötzlich ungewohnt langsam zu vergehen. Kein Biss. Keine Action. Keine Begeisterung.

Die Suche geht weiter.


Zweiter Versuch: Schach

Jan Frodeno beim Schach

Vielleicht liegt die Antwort nicht draußen in der Natur. Vielleicht liegt sie im Kopf. Schach gilt schließlich als Spiel der Strategen. Jeder Zug zählt, jede Entscheidung hat Konsequenzen und jeder Fehler kann den gesamten Verlauf verändern.

Eigentlich perfekte Voraussetzungen für einen Athleten, der seine Karriere auf Planung, Disziplin und taktischen Entscheidungen aufgebaut hat. Doch auch hier will der Funke nicht überspringen. Nach einem Leben zwischen Schwimmen, Radfahren und Laufen fühlt sich Sitzen einfach nicht richtig an.

Zu ruhig. Zu statisch. Zu wenig Bewegung.

Ein weiteres Hobby wandert von der Liste.


Zurück zu den eigenen Wurzeln

Irgendwann stellt Jan Sibbersen eine einfache Frage: „Warum gehen wir nicht einfach schwimmen?“

Die Antwort scheint zunächst offensichtlich. Schließlich hatte Jan Frodeno eigentlich genug vom Schwimmen. Genug Bahnen gezählt. Genug Trainingskilometer gesammelt. Genug Wettkämpfe bestritten.

Jahrzehntelang war das Wasser Arbeitsplatz. Jeder Meter wurde getrackt, jede Einheit hatte ein Ziel und jeder Tag folgte einem Plan. Schwimmen war Leistung. Nicht Freizeit. Nicht Entspannung. Nicht Ruhestand.

Doch vielleicht liegt genau darin das Problem.


Enjoy your swim.

Jan Frodeno beim Freiwasserschwimmen

Diesmal ist alles anders.

Niemand stoppt die Zeit. Niemand zählt die Bahnen. Niemand analysiert die Leistung. Es gibt keine Qualifikation, keinen Wettkampf und keine Bestzeit, die erreicht werden muss.

Stattdessen gibt es nur offenes Wasser, gute Gesellschaft und die Freude am Schwimmen. Genau hier entdeckt Jan Frodeno etwas wieder, das im Leistungssport leicht verloren gehen kann: die ursprüngliche Begeisterung für das Wasser.

Plötzlich geht es nicht mehr darum, schneller zu sein als alle anderen. Es geht darum, draußen zu sein. Sich zu bewegen. Die Freiheit des Freiwassers zu genießen und den Kopf abzuschalten.

Schwimmen muss nicht immer Training sein. Nicht jede Einheit braucht ein Ziel. Nicht jede Minute muss gemessen werden. Manchmal reicht es, einfach ins Wasser zu gehen.

Einfach zu schwimmen.

Einfach den Moment zu genießen.


Was wir von Jan Frodeno lernen können

Die wenigsten Menschen werden Olympiasieger. Die wenigsten gewinnen einen IRONMAN. Doch viele kennen das Gefühl, sich in Zahlen, Zielen und Leistungswerten zu verlieren.

Manchmal hilft es, einen Schritt zurückzugehen und sich daran zu erinnern, warum man überhaupt angefangen hat. Warum man früh morgens ins Wasser springt. Warum man Freiwasserschwimmen liebt. Warum man nach einer langen Einheit mit einem Lächeln aus dem Wasser kommt.

Vielleicht geht es nicht immer darum, schneller zu werden.

Vielleicht geht es manchmal einfach darum, das Schwimmen wieder zu genießen.

Jan Frodeno hat Angeln ausprobiert. Er hat Schach ausprobiert. Am Ende führte ihn die Suche genau dorthin zurück, wo alles begonnen hatte.

Ins Wasser.

Nicht als Olympiasieger. Nicht als Weltmeister. Nicht als einer der erfolgreichsten Triathleten aller Zeiten.

Sondern einfach als Schwimmer.

Enjoy your swim.

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